cavino genossenschaft
import & handel
von wein & olivenöl
bahnhofstrasse 1
ch-8712 stäfa
vino@cavino.ch

unser Senf

In Stäfa wird 1974 die Genossenschaft Rössli gegründet.

Vier Jahre später entsteht in Paris die confédération nationale des caves particulières (CNCP). Sie vertritt die Interessen kleiner Selbsteinkelternder Winzer. 2003 tauft sich die Organisation um in "Vignerons independants". Ihr Ziel: Förderung von Qualität und Unterstützung von unabhängigen, gewerblichen Strukturen im Weinbau.

In der Schweiz machen z.B. die Kleinbauern-Initative mit Direktvermarktung durch die Bauern, die KAG (Konsumenten-Arbeits-Gruppe) mit der Proklamation des Freiland-Eis auf die schwierige Situation in der industrialisierten, konventionellen Landwirtschaft aufmerksam.
Die alternative politische Stimmung in den 80ern ist geprägt durch Fairtrade und durch die entstehende Bio-Landwirtschaft als Folge der Forderungen der 80er-Bewegung und der Anti-AKW-Bürgerinitiativen.

1982 trete ich ins selbstverwaltete Rössli-Stäfa ein und übernehme die Verantwortung für den Getränke-Einkauf. Ich muss erleben, dass regionale Kellereien das Rössli boykottieren, einzig Landolt beliefert uns mit lokalen Weinen. Da muss sich was ändern.
Ich realisiere schnell, dass der Getränke- und Lebensmittel-Einkauf des Rössli nicht den Erwartungen der Gäste und dem von ihnen geprägten "alternativen" Image entsprach. Der Hintergrund, der zur Gründung des Rössli führte basierte nicht auf den Oeko-Ideen unserer Generation, sondern wurzelte im Kulturstreit der 68er.
Die ersten selbsteinkelternden Winzer vom Bielersee und der Bündner-Herrschaft durften nun liefern. Was wir für uns als Selbstverwalter in Anspruch nahmen, soll auch für unsere Wein-Lieferanten gelten.

1983 lernte ich Ernst Wirz und Hildegard Horat in Assignan, Südfrankreich kennen. Ihre ersten Weine waren in der Flasche, besser als alles was wir bisher anboten und wir beschlossen ihre Weine zu importieren. Die Weine fanden sehr schnell Gefallen. Nach kurzer Zeit importierten wir bereits die Weine von vier weiteren vignerons indépendants aus der Region Languedoc. Bald gab es nur noch Flaschenweine im Offenausschank, nur war der Durst unserer Gäste nicht gross genug um all die Weine "unserer" Winzer anbieten zu können, ein neues Projekt musste her.

Nach zehn Jahren, 1994, gründeten wir die Genossenschaft Cavino mit Sitz in Stäfa.
Ziel von Cavino war es "unseren" Winzern eine breitere Plattform zu bieten, sie in der Schweiz als Importeurin zu vertreten.

Heute importiert Cavino Wein, Olivenöl und andere Produkte von über 80 unabhängigen Selbsteinkelterern aus Südfrankreich, Spanien, Italien und Portugal. Zu ihnen führen wir einen intensiven Kontakt.
Im Unterschied zu den meisten Weinhandlungen finden Sie bei und keine Marken-Weine, keine aus der Werbung bekannten "must haves". Wir versuchen echte, charaktervolle Qualitäten anzubieten und setzen nicht auf Modetrends oder Parker-Punkte als Verkaufs-Argumente sondern auf möglichst kompetente Beratung.
Dass es unseren Winzern dabei auch gut geht, dass sie innovative und ehrliche Weine keltern und dafür auch fair bezahlt werden ist uns immens wichtig. Wir sind der festen Überzeugung, dass nur so sehr gute Produkte aus nachhaltigen Strukturen auch in Zukunft eine Chance haben, dafür setzen wir unser Herzblut ein.

Grossmehrheitlich stammen unsere Weine aus zertifizierter Bio-Produktion, für unsere "kleinsten" ProduzentInnen lohnt sich aber ein Zertifizierung oft nicht, diese "bio"-Weine dürfen wir nicht als bio deklarieren. Unsere Bio-Produkte werden jährlich durch bioinspecta kontrolliert und zertifiziert. B-N° 31666.

In Portugal hat Cavino dem jungen Winzer Hugo Guimaraes durch Darlehen und Vorfinanzierungen unserer Kunden den Kauf der Quinta SECEGAS ermöglicht. Daraus ist eine sehr enge Zusammenarbeit entstanden. Die neuen Weine der Domaine sind die Zeugen dieser Kooperation.

Im Jahre 2006 entwickelte ich unser zweites Standbein Chateaux-Carton. In der damaligen Krise galt es den Winzern zu helfen, ihre Weine trotz Preis-Zusammenbrüchen erfolgreich zu verkaufen. Dank weniger Gewicht und tieferen Zöllen dank Einsparungen bei Flaschen, Korken, Labels, Kapseln und Verpackungs-Material gelang es uns als Erste in Europa sehr erfolgreich hochwertige Weine im Bag-in-Box anzubieten. Sicherlich war dies für unsere Kunden anfangs gewöhnungbedürftig. Bald merkten diese aber, dass die Verpackung nichts über den Inhalt aussagt - manche Goldrand-Etiketten-Weine hatten keine Chance mehr, BiB's als Weinverpackung sind praktisch, günstig und um ein Vielfaches oekologischer als Flaschen.
Heute vertreiben wir Chateaux-Carton Weine über Franchising-Partner in der ganzen Deutschschweiz von Interlaken bis an den Bodensee. Auf der Website www.chateaux-carton.ch findet man sowohl unsere Partner wie auch viel Hintergrund-Info zum Thema. (direkter Link via Logo)

CAVINO beliefert diverse Weinhändler, Wiederverkäufer die Gastronomie in der ganzen Schweiz.

Als Privatkunde steht Ihnen auch unser online shop zur Verfügung

Felix Woodtli, Genossenschaft Cavino

Kontakt und Ladenöffnungszeiten

Telefon +41 44 926 69 38
fax +41 44 796 22 02
vino@cavino.ch

Ladenöffnungszeiten:
Samstags von 9-16 Uhr
oder nach Vereinbarung

unter der Woche sind wir oft unterwegs am Ausliefern, wenn nicht ist der Laden bis 18 Uhr geöffnet. Ein kurzer Anruf mindert das Risiko vor verschlossener Tür zu stehen.

mehr Infos zum Roessli-Staefa finden Sie hier

syntetic wine by Ava Winery

nun ist es soweit, Alec Lee von der Ava Winery realisert in Kalifornien was Jesus vormachte. Er macht Wasser zu Wein. Um eine Flasche Wein natürlich herzustellen braucht es zwischen 500 bis 1000 Liter Wasser, Lee kommt mit 63 cl aus. Soviel beträgt der maximale Anteil Wasser in einer Flasche (85%) der Rest besteht aus 13% Ethanol und 2% anderes wie Tannine, Glyzerin, Zucker, Isobuttersäureester und ein paar andere Geschmackszutaten. Die Ava Winery liegt im Silicon Valley. Hier werden keine Trauben gepresst, Ava Winery ist ein klinisch sauberes Labor. Hier werden Weine gemacht, Weine nachgebaut Molekül um Molekül. Ein Gas-Chromatograph hilft bei der Analyse, Alec Lee revolutioniert den Weinbau.

Winzer werden überflüssig - die gut besonnten Rebhänge eignen sich hervorragend zum Bau von Terrassen-Villen, das eingesparte Wasser füllt den Swimmingpool und die arbeitslosen Rebläuse übernimmt die ebenfalls in Kalifornien ansässige Firma Clara Foods gerne um daraus wichtige Proteine zu gewinnen.

Zu einem Teller Mehlwürmer oder einem veganen Burger mit Rindfleisch-Note passt eine Châteaux-Abfüllung von Lee's Winery hervorragend. Diese hat den gleichen Anteil Wasser und Ethanol, die gleichen Moleküle wie die grossen, analysierten und sezierten teuren Wein-Vorbilder. Noch bleibt ein kleiner Gummibärchen-Geschmack im Gaumen haften - auch den wird man noch in den Griff bekommen. Na dann, Prost

pimp my wine

Was haben die grössten Schinken, VW, die besten Radfahrer die taffsten Jupies und die schönsten Model-Stars mit den höchstbenoteten Weinen gemeinsam? Du ahnst es? Alle sind ein wenig aufgemotzt, sei es mit Wasser, Abgastest-Software, Elektromotörchen oder Epo, Koks, Botox oder Silikon, Eichenschnipsel oder E414.

Die schönen Werbebotschaften um den saftigen Primitivo, den wunderbarsten Amarone, den spanischen Powerwein mit 95 Parker-Punkten und um die exklusive-creation des Oenologen XY der Kellerei XZ hinterlassen einen leicht bitteren Nachgeschmack wenn klar wird, dass diese Blockbuster meisst nur unter Einsatz von Chemikalien und Künstdünger gedeihen. Zur Gärung werden Turbo-Aromahefen die auf schimmelden Fleischabfällen gezüchtet wurden verwendet, der stablisierende Schwefel ist ein Nebenprodukt der Erdöl-Industrie und stammt definitiv nicht aus mühsamem Hand-Abbau in den Vulkan-Kratern Java's. Von weiteren Additivs kann man nur ahnen, ein Blick in die Kataloge der Nutria-Anbieter macht schon mal leichte Schwindelgefühle. Noch krasser wie vor 20 Jahren: Aldi's Primitivo-Zauberer aus dem Veneto griff vor Weihnachten 2016 auch wiedermal zum Frostschutzmittel Glykol. Was bei Kälte für klare Sicht sorgt verdrängt dank hoher Viskosität die Säure unreifer Weine von den Sensoren unserer Laffen. Glykol ist selber süsslich und gaukelt so unserem Gaumen wunderbar was vor, was dann als edles Schnäppchen unter dem Weihnachtbaum mit nettem Goldmäschen verziert, liegen sollte. Würde man Zucker verwenden um die gleiche Süsse zu erreichen, hätten wir vermutlich Konfitüre im Glas.

E414 ist eines der vielen Dopings das Winzer und Önologen heute viel verwenden, es hilft ihren Wein aufzumotzen. E414 tönt gefährlich, chemisch. Hinter den E-Nummern verbirgt sich aber nur die EU-Normen-Liste für bewilligte Hilfsstoffe im Lebensmittelsektor. E414 wird aus dem Harz von Akazien gewonnen. Es handelt sich um Gummi arabicum. Gummi arabicum gilt als nicht gesundheitsschädlich und darf auch in biologischen Lebensmittel verwendet werden. Es ist ein sogenanntes Polysaccharid, das zum Stamm der Heteropolysacharide gehört und ist neutral bis schwach sauer und wasserlöslich.

Bereits die alten Ägypter mumifizierten damit ihre toten Pharaonen auch Lenin stinkt in seinem Mausoleum unter Gummi arabicum vor sich hin.

Für was soll Gummi arabicum im Wein nützlich sein? Die zähflüssige Substanz die auch in weisser Pulverform daherkommt verwendet die Lebensmittelindustrie als Aromastabilisator. Im Bier stabilisiert es den Bierschaum, verhindert die Kristallisierung des Zuckers in Gummizeltli und bindet die Farbstoffe. Gummi arabicum stabilisiert also so ziemlich alles.

Im Wein sorgt E414 für Geschmeidigkeit und mollige Fülle. Die herben bis leicht bitteren Tannine verlieren ihren adstringierenden Charakter. Sie werden weicher und fetter wahrgenommen. Der Zusatzstoff stabilisiert die Farbe, hilft bei der Stabilisierung von Weinstein und Metallkomplexen und sorgt dafür, dass Wein mit hohen Alkoholprozenten nicht ganz so alkoholisch schmeckt. Außerdem ist er dafür bekannt, das Mundgefühl zu "verbessern". Der Wein wird vollmundig, rund, die Gerbstoffe sanft und harmonisiert. Das ist vielleicht die wichtigste Eigenschaft, denn Gummi arabicum hat unser aller Weingeschmack verändert. Kritiker sagen, Gummi arabicum mache Wein zu Coca Cola. Mit E414 aufgemotzte Weine bekommen durch die „Wein-Tester“ mehr Aufmerksamkeit, höhere Punkte. Der brancheninterne Übernahme lautete früher auch „Pamela-Wines“, in Anlehnung an die blonde Gummipuppe aus der Baywatch-Serie.

Der Markt schreit nach muskulösen, molligen, süssen und jungen Weinen. Die Lagerung interessiert kaum jemand, die Welt der Parfüme die in alten Weinen natürlicherweise entstehen ist eh nur bla, bla, bla. Wir wollen Leben und geniessen, jetzt und das aus dem Vollen.

Gummi arabicum ist nicht nur in Industrie-Weinen sondern auch in etlichen der teuersten, höchstbewerteten Weinen der Welt enthalten. (Parker & Co schlucken nicht, die spucken beim Punkten). Auch Biowinzer nutzen das legale Pimpen mehr und mehr.

Die Problematik von E414: bei einigen Menschen kann es vermutlich gröbere Allergien auslösen. Die versüssten, fetten und doppelt so langen Tanninketten werden durch unsere Rezeptoren nicht als solche erkannt, dem Gehirn wird vorallem Süsse übermittelt, unsere Verdauung ist irritiert und funktioniert suboptimal, als „Tannin-Intoleranz“ bekannt sorgt sie bei empfindlichen Menschen dann für ungewünschte Nebenwirkungen von Hautrötung, Hitze, Trockenheit bis Atemnot.  Fazit: Stopp mit Wein trinken. Als direkte Nebenwirkung verlieren auch die Winzer ihre Kunden.

Runde, vollmundige Weine kann man absolut ohne Gummi arabicum herstellen. Dazu braucht es Ethik, Geduld und gesunde, phenolisch reife Trauben. Die herbe Härte des jungen Weines die eine Garantie für harmonischen Altern andeutet wird durch den Einsatz von E414 zerstört. Angebliche Superweine werden nach kurzer Zeit zur Plörre.

Für biodynamische Weine mit Demeter-Zertifizierung ist Gummi arabicum ein absolutes Tabu, auch Schwefel ist geächtet. Viele Weine konsequenter Biowinzer sind aber sehr gut, oft sehr viel besser als konventionell erzeugte. Solche Weine erfüllen unsere romantischen Träume von Sonne, Rebstock und intakter Natur, nur solche Weine sind echte Terroir-Weine. Der Aufwand für den Winzer steigt, ist arbeitsintensiv und mit Risiken verbunden, der Nutria-Händler aber wird arbeitslos.

Zum Glück entscheiden sich auch immer mehr kleine Winzer ebenfalls den Weg naturnahe, ungeschönte Weine zu keltern. Eine konsequente Absage an die Methoden der Lebensmittel-Technologie ist auch die einzige Chance die ihnen ein Überleben in einem immer härteren Marktumfeld einigermassen garantieren kann.

Noch sind es nur wenige Konsumenten denen Ethik im Wein wichtig ist, es werden aber laufend mehr.