18. Februar 2026

Eine Hommage an die Zeit. Und den Wein.

Die Zeit ist etwas Wunderliches

Die Währung der Gegenwart ist Aufmerksamkeit. Mit ihr lässt sich viel Geld verdienen oder wirkungsvoll Politik machen. Doch wir bezahlen Aufmerksamkeit mit einer unserer wertvollsten Ressourcen: der Zeit. Wir verschwenden sie freizügig mit Ablenkung, News-Checken, ständigem In-Bewegung-Sein. Hat man sie nicht, vermisst man sie. Sobald die Zeit da ist, wissen wir jedoch oft nicht, was mit ihr anzufangen. Schnell füllen wir die Lücke, lenken uns ab, berieseln uns mit nutzlosem Wissen, lustigen Videos oder konsumieren oberflächliche Eilmeldungen. Und schon ist wieder ein Jahr um und wir wissen nicht, wo die Zeit geblieben ist…

Die Zeit, sie ist dehnbar. Sie geht manchmal wie im Flug vorbei, dann zieht sie sich hin und Sekunden fühlen sich wie Stunden an. Sie kann uns in zerreissende Langeweile führen. Sie kann uns dazu zwingen, die Wucht unserer Existenz auf uns einwirken zu lassen. Doch sie kann viel mehr als das. Gründliches Nachdenken, Entfaltung von Kreativität, Geduld, das alles benötigt Raum und Zeit. Und besonders die Pflege von Freundschaften und Beziehungen braucht eine ganze Menge Zeit für die Schaffung von gemeinsamen Erlebnissen, geteilten Erinnerungen und Emotionen. Freundschaften und Geselligkeit sind in der sich individualisierenden Self-Care-Gesellschaft die Nährstoffe, die uns über Wasser halten.

Was hat das alles mit dem Wein zu tun?

In einer sich immer schneller drehenden Welt, nehmen wir uns immer weniger Zeit, mit unseren Liebsten zusammenzusitzen, um gemeinsame Offline-Zeit zu verbringen und vielleicht ein Glas Wein zu trinken. Das ist kein blosses Gefühl, aktuelle Studien belegen eine Vereinsamung vieler Menschen und eine gleichzeitige, teils dramatische Abnahme des Weinkonsums. Gemeinsame Zeit kann natürlich auch alkoholfrei genossen werden, keine Frage. Doch Wein hat eine sonderbare Wirkung: Er reizt die Sinne, lässt tiefe Erinnerungen erwachen, entspannt und lässt den Moment des Zusammenseins feierlich erscheinen. Er lässt uns einen Moment vergessen, was auf der Welt sonst noch alles abgeht.

Wein hat einerseits das Potenzial, Gesprächsthema Nummer eins zu sein und zum Star – oder zum Abschaum des Abends zu werden. Er weiss sich andererseits auch in den Geschehnissen zu verstecken, wie Wasser, das die Kieselsteine im Flussbett sanft umfliesst und sie als grosses Ganzes zusammenhält, sie durch die Zeit führt, ihnen einen roten Faden gibt.

Wein entschleunigt und holt einen zurück in die Gegenwart zu den eigenen Sinnen, denn bewusster Weinkonsum erfordert die Präsenz im Hier und Jetzt. Sozusagen das Yoga der Foodies. Die enorme Geschmacksvielfalt, die es in diesem Fermentationsprodukt zu entdecken gibt, kennt keine Grenzen. Allen Menschen liegt die Fähigkeit inne, mit Übung, Geduld und Neugier diese zu erkennen. Es gibt kein Richtig oder Falsch, es gibt nur die eigene Wahrnehmung und durch das Teilen der eigenen Erfahrung mit anderen bekommt der Wein Namen und Attribute. Mit der Zeit erkennen wir Muster und können einzelne Teile zu einem grossen, nie endenden Puzzle zusammenfügen. 

Wein ist mehr als ein Genussmittel

Wein ist ein Kulturgut, so alt wie die sesshafte Zivilisation der Menschheit. Die Sehnsucht nach Rausch ist so alt wie der Mensch selbst und der Wein gehört in vielen Regionen bis heute als selbstverständlicher Teil zur Esskultur dazu. Die Weinwirtschaft hat ganze Landstriche geprägt, hat regionale Identitäten geschaffen, hat internationale Entwicklungen und Kriege beeinflusst und geholfen, sie zu überstehen. Und dies alles dank Menschen, die sich liebevoll um die Rebpflanzen und deren wertvollen Früchte kümmern – mit sehr viel Aufmerksamkeit und Zeit. 

Wein wird im Zyklus der vier Jahreszeiten erschaffen. Grosse Demut verspürt, wer weiss, wie viel Arbeit in einer guten Flasche Wein steckt. Und wie viel Risiko auf dem Beruf des Weinproduzierenden lastet. Geduld ist die Tugend der Winzer:innen. Präzision und Fantasie ein Muss. Eine Prise Kreativität verleiht dem Wein das gewisse Etwas. Ein grosser Wein ist mehr als ein Nahrungsmittel. Er erzählt eine Geschichte, die Geschichte einer Region, eines Bodens, eines Klimas, eines Jahres, einer Traubensorte und die eines Menschen. 

Dies ist eine Hommage an den Wein und die Zeit, die es braucht, um ihn zu erschaffen, ihn kennenzulernen und zu geniessen. In Zwei-, Drei- oder Vielsamkeit verkostet und mit dem Lieblingsessen gepaart, schafft er damit unvergessliche Momente der Lust und Freude. In einer Welt voller Dramen, ist das Drama eines perfekten Weines im Gaumen das einzig zulässige. Schenken wir dem Wein deshalb unsere ganze Aufmerksamkeit.

Unsere Empfehlung für die nächste Zeit

Für deinen nächsten Abend mit Freunden empfehlen wir Camarade Sauvage 2024 von Dominik Benz. Dieser Wein steht für Gemeinschaftssinn und Zusammenhalt, für Mut zur Überwindung von Gräben und Wildbächen, für Optimismus bei der Berg- und Talfahrt des Lebens. Dieser Wein ist ein Appell an das Gute und Genüssliche in uns Menschen. Glas hoch – auf Frieden und Demokratie! Würde ein Mufflon Wein trinken, es stiesse mit uns an.

Und wer sich gegen die Polykrisensituation in der Welt auflehnen will, dem empfehlen wir den Vin en Box Contre la Crise von Domaine de Ravanès. Besseren Wein im Karton gibts nicht. Schonend fürs Klima, schonend fürs Portemonnaie und hebt schonend die Stimmung.